Geburtsverarbeitung
Was hilft, wenn die Geburt anders verlaufen ist als erwartet?
War für Sie die Geburt Ihres Kindes entgegen aller Erwartung, Hoffnung und Vorfreude ein enttäuschendes Erlebnis? Dies kann sich unter Umständen belastend auf die Beziehung zum Kind auswirken oder einfach ein Geschehnis sein, welches für Sie als Frau und Mutter schwer zu verdauen ist und Ihnen damit viel Kraft und Energie raubt. Diese Kraft könnten Sie besser im Leben mit Ihrer Familie und in der Partnerschaft gebrauchen. Ein belastetes Geburtserlebnis kann auch Auswirkungen auf Ihre Einstellung zur Sexualität haben und damit auch Ihre Partnerschaft beeinflussen.
Woran zeigt sich, dass Geburtsverarbeitung nötig ist?
Wenn traumatische Erlebnisse um die Geburt nicht herausgelöst und verabschiedet und womöglich mit einem neuen Gefühl der Entspannung oder Liebe ersetzt werden, kommen sie immer wieder „hoch“. Das äussert sich zum Beispiel darin, dass eine Frau immer wieder Herzklopfen bekommt, kaum schlucken kann oder eine Schwäche in Händen oder Füssen verspürt, wenn sie an dem betreffenden Spital vorbeifährt, wo sie die dramatische Geburt erlebte. Eindeutige Zeichen, dass ihr Schock noch im Körper festsitzt. Oder die entsprechenden Symptome zeigen sich, wenn eine Frau von einer Kollegin hört, dass diese schwanger ist oder gerade geboren hat – manche betroffene Frau bricht dann in Tränen aus, weil es sie daran erinnert, was sie erlebt hat oder eben nicht so erlebt hat, wie sie es sich gewünscht hat. Oder eine Frau wünscht sich vielleicht bewusst oder unbewusst noch ein Kind, verzichtet aber lieber darauf, weil sie sonst nochmals eine Geburt konfrontieren muss – oder möchte gleich einen Wunschkaiserschnitt.
Alles Zeichen, dass noch einiges Unverarbeitetes brachliegt, was gelöst werden könnte und der Frau damit auch ein Stück mehr Lebensqualität zurückbringen kann und wird.
Was ist das Ziel der Geburtsverarbeitung?
Bei der Geburtsverarbeitung befasst sich eine Frau in Begleitung einer therapeutisch weitergebildeten Fachperson mit ihren Gefühlen der Enttäuschung, Wut, Schuld oder des Versagens, die durch die Entbindung ihres Kindes ausgelöst wurden. Meist wurde die Geburt als überwältigend erlebt, entweder weil medizinische Notmassnahmen erforderlich waren oder sich die Frau von Hebamme und/oder Arzt/Ärztin nicht liebevoll oder adäquat begleitet fühlte.
Solche Erlebnisse führen nicht selten zu Situationen, in denen die Gebärende (und /oder ihr Partner) Ohnmacht erlebte. Dies kann auf der Gefühlsebene der frischgebackenen Mutter noch lange Nachwirkungen haben und zum Teil auch die Beziehung zum Kind belasten. In der Geburtsverarbeitung wird das Erlebte aufgearbeitet, belastende Schlüsselsituationen und damit verbundene Ängste oder seelische Hemmschwellen bezüglich einer nächsten Geburt bzw. Schwangerschaft bewusst gemacht und verarbeitet und dadurch losgelassen. Es geht darum, Frieden zu finden mit dem, was geschehen ist und die Energie für mehr Freude und Kraft für den Alltag zu brauchen.
Oft verarbeiten Frauen ihr Geburtserlebnis auch durch unzählige Gespräche mit anderen Frauen, dem Partner und Freundinnen. Häufig reicht dieses Reden jedoch nicht. Dann ist es wichtig, den Schritt zur begleiteten Geburtsverarbeitung zu tun.
Eine Fachperson finden
Unter dem Stichwort "Geburtsverarbeitung" finden Sie im Internet Adressen von Hebammen, die eine entsprechende Begleitung anbieten. Im Netzwerk Verarbeitung-Geburt haben sich Hebammen mit langjähriger Berufserfahrung zusammengeschlossen. Unter www.geburtsverarbeitung.ch können Sie nach Postleitzahl geordnet Hebammen finden, die in der Nähe Ihres Wohnortes die Geburtsverarbeitung anbieten. Hebammen, welche die Qualitätskriterien zur Aufnahme erfüllen, werden aufgelistet mit ihren Zusatzausbildungen, Weiterbildungen oder Therapieformen, die sie in der Geburtsverarbeitung einsetzen.