Wachstumsschub beim Baby – 8 Entwicklungsschritte im Überblick
Schlafprobleme, Hunger, Unruhe? Woran Sie merken, dass Ihr Baby einen Wachstumsschub hat und wie Sie es in dieser wichtigen Phase unterstützen können.
Babys machen in den ersten 14 Lebensmonaten eine erstaunliche Entwicklung durch - fast jeden Monat ein neuer Schub. Als Wachstumsschub wird beim Baby eine Phase bezeichnet, in der das Kind einen Sprung in seiner Entwicklung macht.
- Anzeichen für einen Wachstums-/Entwicklungsschub
- Was Ihr Baby während eines Schubes braucht
- Die Zeitpunkte der Wachstums-/Entwicklungsschübe
- 1. bis 4. Wachstumsschub im Überblick
- 5. bis 8. Wachstumsschub im Überblick
- Erster Wachstumsschub – 5. Lebenswoche
- Zweiter Wachstumsschub – 8. Lebenswoche
- Dritter Wachstumsschub – 12. Lebenswoche
- Vierter Wachstumsschub – 19. Lebenswoche
- Fünfter Wachstumsschub – 26. Lebenswoche
- Sechster Wachstumsschub – 37. Lebenswoche
- Siebter Wachstumsschub – 47. Lebenswoche
- Achter Wachstumsschub – 55. Lebenswoche
Anzeichen für einen Wachstums-/Entwicklungsschub
Die Bezeichnung Wachstumsschub ist etwas irreführend, denn sie bedeutet nicht, dass Ihr Baby auf einmal schneller wächst. Damit ist ein Entwicklungsschritt im Gehirn gemeint. Das Kind erwirbt neue Fähigkeiten in der Wahrnehmung und lernt im Rahmen der motorischen Entwicklung seinen Körper besser kennen und beherrschen. Ausserdem verfeinert und verbessert es seine Sinnesorgane.
Diese neuen Fähigkeiten beeinflussen das gesamte Verhalten des Babys und können durchaus auch eine Belastung für das Kind sein. Anstrengende und weinerliche Phasen sind meist die ersten Anzeichen eines solchen Schubes. Ausserdem könnten Sie Folgendes beobachten:
Das Baby schläft weniger oder schlecht und wirkt unruhig. Oder es schläft ganz im Gegenteil auf einmal mehr.
Ihr Kind ist anhänglicher und will den ganzen Tag herumgetragen werden. Wenn Sie es hinlegen möchten, ist es unzufrieden und weint.
Beim Wechseln der Windel wehrt sich das Baby.
Seine Stimmung kann plötzlich von jammernd zu fröhlich und umgekehrt wechseln.
Ihr Baby hat mehr Hunger oder im Gegenteil gar keinen Appetit.
Das Kind saugt häufiger am Daumen oder braucht den Nuggi.
Manche Babys fremdeln sehr oder haben auf einmal Angst vor bekannten Geräuschen oder Gesichtern. Ihre neuen Fähigkeiten und Wahrnehmungen lösen bei ihnen Ängste aus. Darum klammern sie sich an die am meisten vertraute Person.
All diese Beobachtungen können aber natürlich auch andere Ursachen haben. Wenn Sie unsicher sind, können Sie sich an Ihre Kinderarztpraxis wenden.
Was Ihr Baby während eines Schubes braucht
Reagieren Sie auf diese Phasen mit Zuwendung und Nähe, auch wenn dies in gewissen Situationen anstrengend sein kann. Damit geben Sie Ihrem Baby das Gefühl der Sicherheit. Mit diesem Vertrauen kann es sich auf das Neue einlassen.
Wachstumsschübe gelten nicht ganz zu Unrecht auch als Essensschübe. Stillkinder möchten während eines Wachstumsschubs viel öfter gestillt werden, manchmal bis zu 18-mal in 24 Stunden. Dabei können sie sehr unruhig sein und das Gefühl vermitteln, fast nicht satt zu werden. Wenn Sie seinen Bedürfnissen nachkommen und die Stillmahlzeiten sogar noch etwas in die Länge ziehen, bekommt Ihr Baby eine beruhigende Extraportion Geborgenheit beim Körperkontakt. Damit wird ausserdem die Milchproduktion gesteigert. Der grössere Hunger muss kein Anlass sein, abzustillen oder zusätzlich einen Schoppen zu geben.
Die Zeitpunkte der Wachstums-/Entwicklungsschübe
In den ersten 14 Monaten sind acht Wachstumsschübe bekannt, die jeweils ungefähr eine Woche dauern. Davor und danach gibt es entspannte Phasen, in denen das Baby die neu erlernten Fähigkeiten nutzt und übt. Für Sie als Eltern ist es spannend zu beobachten, dass Ihr Kind nach einem Schub zum Beispiel mit Spielsachen spielt, mit denen es davor noch nicht viel anfangen konnte.
Gehirn und Nervensystem entwickeln sich in den ersten Lebensmonaten sprunghaft und nicht gleichmässig. Dies aber bei termingerecht geborenen Kindern ziemlich einheitlich. Bei frühgeborenen oder um mehrere Tage übertragenen Kindern gilt nicht das tatsächliche, sondern das errechnete Geburtsdatum als Anhaltspunkt dafür, wann die Schübe auftreten.
1. bis 4. Wachstumsschub im Überblick
| 1. Schub | 2. Schub | 3. Schub | 4. Schub | |
|---|---|---|---|---|
| Woche | Woche 5 | Woche 8 | Woche 12 | Woche 19 |
| Entwicklung | Aufmerksamkeit, Interesse | Sinne reifen, Hören, Sehen, Tasten | Zielgerichtete Bewegungen, Sozialverhalten, Stimme | Körperwachstum, Orale Phase |
| Neuigkeiten | Erstes Lächeln | Farbensehen | Kreischt, Stimmtraining, sieht Bewegung | steckt alles in den Mund, lernt Abfolge von Ereignissen, dreht sich |
| Verhalten | Weinerlich, mehr Appetit, mehr Körperkontakt | Fremdeln, nuckeln | Mehr Appetit | Ständig Hunger, unruhige Nächte |
| Was hilft? | Häufiges Stillen, Tragen, Körperliche Nähe | Mobiles, Singen, Babymassage | Häufigeres Stillen, Rituale einführen | Geduld, Sicherheit |
5. bis 8. Wachstumsschub im Überblick
| 5. Schub | 6. Schub | 7. Schub | 8. Schub | |
|---|---|---|---|---|
| Woche | Woche 26 | Woche 37 | Woche 47 | Woche 55 |
| Entwicklung | Gefühle, Zusammen-hänge, Sprache | Bewegung, Verständnis von Kategorien | Sitzen, Feinmotorik, Sprache, Neugierde | Trotzphase, Persönlichkeit |
| Neuigkeiten | verschiedene Emotionen, brabbelt | erste Worte, Wille erwacht, krabbelt, isst mit Löffel | experimentiert, Spieltrieb | Laufen, Willen durchsetzen, isst alleine |
| Verhalten | unzufrieden, anhänglich, probierfreudig, testet Ursache-Wirkung | unternehmungs-lustig, mehr Appetit | babyhaft, Wutanfälle | launisch, schlechter Schlaf |
| Was hilft? | Tragetuch, kindersichere Umgebung | Grenzen setzen, ausgewählte Spielzeuge | entdecken lassen, spielen, Treppen sichern | Geduld, Grenzen setzen, “Nein” in der Erziehung |
Erster Wachstumsschub – 5. Lebenswoche
Während des ersten Wachstumsschubs beginnt Ihr Baby, seine Umgebung intensiver wahrzunehmen. Es kann deutlich besser sehen, hören und riechen: Viele Mütter und Väter haben jetzt das Gefühl, dass ihr Baby sie am Geruch erkennt.
Zweiter Wachstumsschub – 8. Lebenswoche
Schon drei Wochen nach dem ersten Wachstumsschub erlebt das Baby den nächsten. Nun sind die Sinne, das heisst Augen, Ohren, Mund und Nase sowie der Tastsinn an der Reihe.
Dritter Wachstumsschub – 12. Lebenswoche
So langsam entwickelt sich auch das Sozialverhalten. Ihr Baby reagiert vielleicht schon auf Ihre Stimmungen. Sie können jetzt Rituale zu festen Zeiten einführen. Diese dienen dem Baby zur Orientierung und geben ihm Sicherheit.
Vierter Wachstumsschub – 19. Lebenswoche
Ein ziemlich grosser Entwicklungssprung steht nun bevor. In dieser Zeit wächst das Baby besonders schnell. Es ist jetzt zudem in der oralen Phase und möchte Dinge mit seinen Händen greifen und in den Mund stecken, um sie so zu untersuchen.
Fünfter Wachstumsschub – 26. Lebenswoche
Dieser Schub dauert oft nicht ganz so lange wie der vorherige, ist aber von der körperlichen Entwicklung sehr interessant. Viele Kinder machen nach diesem Schub erste Dreh- und Krabbelversuche. Das Baby fängt nun auch an zu erzählen und zu brabbeln.
Sechster Wachstumsschub – 37. Lebenswoche
Dieser Schub ist ausschlaggebend für die Bewegungkoordination Ihres Kindes. In dieser Zeit dreht sich Ihr Baby häufig auf den Bauch und beginnt zu wippen. Die Beinchen werden in Position gebracht, Ihr Baby möchte krabbeln.
Siebter Wachstumsschub – 47. Lebenswoche
Jetzt kann es passieren, dass Ihr Baby kleine Wutanfälle bekommt. Oft spricht es zu diesem Zeitpunkt das erste Wort.
Achter Wachstumsschub – 55. Lebenswoche
Wenn der achte und letzte Wachstumsschub ansteht, ist Ihr Baby schon ein Jahr alt und befindet sich im Übergang vom Baby zum Kleinkind. Es macht jetzt seine ersten Gehversuche. Während dieses Schubes kann es ausserdem besonders launisch sein.