Geschwister: Die ersten Tage mit zwei oder mehr Kindern
Zehn Tipps, wie Sie Ihrem älteren Kind helfen können, in der neuen Rolle als grosse Schwester oder grosser Bruder anzukommen.
Bestimmt haben Sie Ihr Kind während der Schwangerschaft auf die Ankunft des neuen Familienmitglieds vorbereitet. Dennoch kann es jetzt, wo das Baby da ist, zu herausfordernden Situationen kommen. Denn bei aller Freude über das kleine Geschwister ist es für den grossen Bruder oder die grosse Schwester ganz schön hart, die Aufmerksamkeit der Eltern plötzlich teilen zu müssen. Was Sie tun können, um dem älteren Kind die Gewöhnung an die neue Familiensituation zu erleichtern.
- 1. Die erste Begegnung gut planen
- 2. Kinderbetreuung für die ersten Tage
- 3. Mithelfen - aber freiwillig
- 4. Rituale beibehalten
- 5. Auf Still- und Schoppenzeiten vorbereitet sein
- 6. Geduld und Verständnis bei Rückschritten
- 7. Gefühle zulassen und ernst nehmen
- 8. Exklusive Mama-Zeiten
- 9. Nicht zu viel erwarten
- 10. Auch grosse Geschwister dürfen im Mittelpunkt stehen
1. Die erste Begegnung gut planen
Die erste Begegnung mit dem Baby ist etwas ganz Besonderes. Entsprechend wichtig ist es, sie nicht dem Zufall zu überlassen. Ihr grosses Kind sollte sein Geschwister in aller Ruhe kennenlernen und nicht dann, wenn das Zimmer bereits voll ist mit Grosseltern, Tanten, Onkeln und Freundinnen, die sich um das Neugeborene scharen. Idealerweise sieht Ihr grosses Kind sein Geschwisterchen deshalb kurz nach der Geburt zum ersten Mal, bevor alle anderen über seine Ankunft informiert worden sind.
Falls Sie befürchten, Ihr Kind neige zu Eifersucht, kann es sinnvoll sein, den Zeitpunkt der ersten Begegnung so zu legen, dass das Neugeborene gerade in seinem Bettchen schläft und nicht im Arm der Mutter. So bekommt Ihr Kind nicht den Eindruck, die Mama habe es durch ein neues Baby ersetzt. Vielleicht möchte das grosse Geschwister dem kleinen auch ein Geschenk zur Geburt machen. Das muss nichts Grosses sein; Ihr Kind kann ihm zum Beispiel ein schönes Bild malen, das über dem Babybettchen aufgehängt wird.
2. Kinderbetreuung für die ersten Tage
In der ersten Zeit mit dem Neugeborenen reichen manchmal auch vier Hände nicht aus, um alles im Griff zu behalten. Es kann deshalb sinnvoll sein, für das Wochenbett Grosseltern oder Freunde zu bitten, sich stundenweise um Ihr grosses Kind zu kümmern. Vielleicht unternehmen sie sogar etwas mit ihm, was nur "Grosse" können und wofür das Baby noch zu klein ist.
3. Mithelfen - aber freiwillig
Lassen Sie Ihr Kind helfen, wenn es dies möchte. Dies zeigt ihm, dass es dazugehört. Es gibt viele Momente, in denen es dies tun kann: beim Wickeln und Anziehen, beim Singen von Schlafliedern, beim Schieben des Kinderwagens etc. Vielleicht will es sich aber auch lieber um eine Puppe kümmern, die es füttern, wickeln und in den Schlaf wiegen kann.
4. Rituale beibehalten
Rituale und feste Strukturen geben Sicherheit. Mit einem Neugeborenen im Haus ist es natürlich alles andere als einfach, diese beizubehalten. Versuchen Sie trotzdem, soweit als möglich am üblichen Tagesablauf festzuhalten und insbesondere das Zubettgehen so zu gestalten, wie es sich Ihr grosses Kind gewohnt ist.
Falls Ihr Kind normalerweise von der Mama zu Bett gebracht wird, kann es sinnvoll sein, bereits vor der Geburt einen Wechsel vorzunehmen, damit es sich daran gewöhnen kann, dass der Papa nun das Abendritual gestaltet. Es kann nämlich durchaus sein, dass das Baby ausgerechnet dann gestillt werden will, wenn das grosse Kind bettfertig gemacht werden sollte.
5. Auf Still- und Schoppenzeiten vorbereitet sein
Grössere Geschwister neigen oft dazu, ausgerechnet dann nach Aufmerksamkeit zu verlangen, wenn das Baby gestillt oder geschöppelt wird. Dies kann für alle äusserst anstrengend sein. Stellen Sie bereits vor der Geburt eine Überraschungskiste mit Spielsachen und Bilderbüchern zusammen, mit denen sich Ihr grosses Kind während der Essenszeiten den Neugeborenen beschäftigen darf.
Wenn sich das Füttern etwas eingespielt hat, können Sie Ihrem grossen Kind auch eine Geschichte erzählen oder vorsingen. Ihr Baby wird dies bestimmt ebenfalls geniessen.
6. Geduld und Verständnis bei Rückschritten
Vielleicht ist Ihr Kind vor der Geburt des Geschwisters bereits ohne Windel ausgekommen und selbständig im eigenen Zimmer eingeschlafen. Jetzt aber möchte es plötzlich wieder gewickelt werden, aus dem Schoppen trinken und bei Ihnen schlafen.
Solche Rückschritte sind vollkommen normal und geben sich mit der Zeit wieder. Zeigen Sie Verständnis für Ihr Kind und schimpfen Sie es nicht aus, wenn es vorübergehend noch einmal ganz klein sein möchte. Weisen Sie es aber auch immer wieder darauf hin, wie viel es schon kann.
7. Gefühle zulassen und ernst nehmen
Obschon sich Ihr Kind über die Ankunft des Babys freut, empfindet es vielleicht zuweilen Wut oder Trauer über die Veränderung. Diese Gefühle haben ihre Berechtigung. Weisen Sie Ihr Kind deshalb nicht zurecht, wenn es sie äussert, sondern sprechen Sie mit ihm über das, was es empfindet. Bilderbücher können helfen, die grossen Gefühle richtig einzuordnen. Natürlich muss Ihr älteres Kind aber wissen, dass es Wut und Eifersucht nicht am Baby auslassen darf.
8. Exklusive Mama-Zeiten
Jetzt, wo das Neugeborene so viel Zeit mit der Mutter verbringt, hat das ältere Kind ein grosses Bedürfnis nach exklusiver Mama-Zeit. Oft reichen schon ein paar Minuten Kuscheln, um den Tank wieder zu füllen. Dies hat auch für das Baby seine Vorteile, denn es lernt den Papa besser kennen, während sich die Mama Zeit für sein grosses Geschwister nimmt.
9. Nicht zu viel erwarten
Im Vergleich zum Baby erscheint das ältere Kind auf einmal sehr gross und reif. Dabei geht leicht vergessen, wie klein es eigentlich ist. Erwarten Sie nicht zu viel von ihm, sondern gestehen Sie ihm zu, dass es noch ein Kleinkind ist, das nicht immer angemessen mit seinen Gefühlen umgehen kann und das oftmals nicht in der Lage ist, seine Bedürfnisse dem Baby zuliebe zurückzustellen.
10. Auch grosse Geschwister dürfen im Mittelpunkt stehen
In den ersten Wochen steht das Neugeborene ganz im Zentrum - auch bei den Gästen, die es kennenlernen möchten. Bitten Sie Verwandte und Freundinnen, dem älteren Kind ebenfalls Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht bringt der eine oder die andere sogar ein Geschenk für das Grosse mit, denn Babykleidung und Spielsachen für die Allerkleinsten haben Sie beim zweiten Kind ohnehin schon mehr als genug.