Die Cerebralparese (cerebrale Bewegungsbehinderung)
Welche Auswirkungen eine frühe Schädigung des Gehirns hat, wie sich betroffene Kinder entwickeln und welche Therapien zum Einsatz kommen.
Die Cerebralparese wird oft auch als cerebrale Bewegungsbehinderung bezeichnet. Betroffen sind ca. zwei von 1000 Neugeborenen.
Was ist eine Cerebralparese (CP)?
Bei der cerebralen Bewegungsbehinderung handelt es sich um eine Schädigung des Gehirns, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt eintritt, also vor, während oder kurz nach der Geburt. Sie kann unter anderem zu Störungen der Motorik, der Bewegungsabläufe und der Körperhaltung führen. Eine cerebrale Bewegungsbehinderung ist unheilbar. Durch frühe und interdisziplinäre Förderung sowie therapeutische Massnahmen können andere Bereiche des Gehirns jedoch gewisse Aufgaben und Fähigkeiten übernehmen.
Wodurch wird eine Cerepralparese verursacht?
Zu einer Schädigung des Gehirns kann es während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im Säuglingsalter kommen. In der Schwangerschaft können z. B. Infektionskrankheiten der Mutter (Zika-Virus, Röteln, Toxoplasmose), eine Plazentainsuffizienz, eine mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff oder genetische Störungen eine Cerebralparese verursachen.
Während der Geburt können eine Plazentaablösung, Sauerstoffmangel, Probleme mit der Nabelschnur oder Hirnblutungen die Ursache sein. Zu früh geborene Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Cerebralparesen.
Auch nach der Geburt kann es zu einer Schädigung des Gehirns kommen, z. B. durch Unfälle, Hirnhautentzündung, Blutvergiftung oder durch ein Schädel-Hirn-Trauma, wenn das Baby geschüttelt wird.
Welche Arten von Cerebralparese gibt es?
Die Cerebralparese wird in die folgenden Hauptgruppen eingeteilt:
Unilaterale spastische Cerebralparesen, auch spastische Hemiparese genannt. Dabei ist eine Körperseite betroffen. Meist ist der Arm stärker beeinträchtigt als das Bein.
Bilaterale spastische Cerebralparesen, bei denen beide Körperseiten betroffen sind. Diese können beinbetont, armbetont oder sowohl bein - als auch armbetont sein. Sind beide Beine oder beide Arme betroffen, wird dies als Diplegie bezeichnet. Sind alle Extremitäten betroffen, ist von Tetraparese die Rede. Die Haltung ist in diesem Fall oft asymmetrisch, die Kopf- und Augenkontrolle sowie die Sprachmotorik sind erschwert.
Dyskinetische Cerebralparesen, die durch unwillkürliche Bewegungen gekennzeichnet sind. Aufgrund eines stark schwankenden Muskeltonus und eines mangelnden Haltungshintergrunds ist es Betroffenen kaum möglich, eine Stellung zu halten.
Ataktische Cerebralparesen, bei denen eine schwere Beeinträchtigung der Gleichgewichtskontrolle vorliegt. Aufgrund einer verminderten Muskelspannung kommen Betroffene erst sehr spät in eine aufrechte Position.
Zusätzlich zu dieser Einteilung in Hauptgruppen werden Klassifikationssysteme verwendet, um die funktionellen Fertigkeiten von Betroffenen differenziert zu beschreiben. Damit wird erfasst, wie stark die Grobmotorik, die Handfunktion, die Kommunikationsfähigkeit sowie die Schluck- und Essfunktion beeinträchtigt sind.
Welche Symptome deuten auf eine CP hin?
Je nach Art und Ausprägung der cerebralen Bewegungsbehinderung sind die Symptome sehr unterschiedlich. Sie können nur schwach oder deutlich ausgeprägt sein. Im Säuglingsalter sind die Anzeichen nicht sofort wahrnehmbar. Möglicherweise bewegt ein Baby die eine Körperseite weniger als die andere oder es hat einen schlaffen Muskeltonus. Eine sichere Diagnose wird je nach Verlauf erst im zweiten Lebensjahr gestellt. Bei sehr schwach ausgeprägten Symptomen kann dies auch später der Fall sein.
Mit fortschreitender motorischer Entwicklung zeigen sich die Symptome deutlicher. So erreichen betroffene Kinder Meilensteine wie freies Sitzen, Krabbeln oder Gehen später als andere Kinder oder gar nicht. Manche Kinder gehen beispielsweise auffallend lang auf Zehenspitzen. Andere können gar nicht selbständig gehen.
Ein zu niedriger oder ein zu hoher Muskeltonus können ebenfalls Anzeichen einer cerebralen Bewegungsbehinderung sein. Ein eingeschränkter Hand- oder Armgebrauch sowie Fehlstellungen der Gelenke sind weitere mögliche Hinweise.
Welche Beschwerden können begleitend auftreten?
Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, kommen zu den motorischen Einschränkungen weitere Symptome hinzu. So ist beispielsweise in manchen Fällen die geistige Entwicklung oder die Sprachentwicklung beeinträchtigt oder verzögert. Auch Wahrnehmungsstörungen wie Seh- oder Hörstörungen sind möglich. Epilepsie kann eine weitere Begleiterscheinung einer Cerebralparese sein.
Bein manchen Betroffenen sind zudem der Kreislauf, die Wärme- und Kälteanpassung oder die Blasen- und Darmfunktion beeinträchtigt. Auch Schluck- und Kaubeschwerden sowie unkontrollierter Speichelfluss können auftreten.
Wie entwickeln sich Kinder mit Cerebralparese?
Wie sich ein betroffenes Kind entwickelt und wie stark es in seinem Leben eingeschränkt ist, ist sehr unterschiedlich. Es hängt von der Ausprägung der Cerebralparese, den therapeutischen Möglichkeiten und den begleitenden Symptomen ab. Während ein leicht betroffenes Kind später zum Beispiel die Regelschule besuchen, einen Beruf erlernen und selbständig leben kann, ist ein schwer betroffenes Kind möglicherweise ein Leben lang auf Hilfe, z. B. beim Essen, Waschen und Anziehen angewiesen. Kinder, die zusätzlich zur körperlichen Einschränkung kognitiv eingeschränkt sind, besuchen meistens eine Sonderschule. Manche können selbständig gehen, adere benötigen Gehhilfen oder einen Rollstuhl.
Welche Therapien gibt es?
Die Behandlung einer cerebralen Bewegungsbehinderung ist sehr individuell und interdisziplinär angelegt. Das heisst, dass Personen aus verschiedenen Fachbereichen miteinander arbeiten, um dem Kind die bestmögliche Therapie zu bieten.
Die Therapien sollten so früh als möglich beginnen, damit allenfalls andere Hirnregionen die Funktionen von geschädigten Arealen übernehmen können. Ziel einer jeden Therapie sollte sein, dem Kind ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen und die Eltern darin anzuleiten, ihr Kind zu unterstützen.
Das therapeutische Angebot, das zum Einsatz kommt, ist sehr vielfältig und umfasst je nach Bedürfnissen des Kindes z. B.:
Physiotherapie
Ergotherapie
Logopädie
Hippotherapie (Physiotherapie mit Pferden)
Medikamentöse Therapien, zum Beispiel zur Behandlung der Spastik oder einer Epilepsie
Orthopädietechnik wie z. B. Beinschienen zur Behandlung von Fehlstellungen der Füsse
Operative Behandlungen